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# 33 – „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe

Seit Defoes Roman im Jahr 1719 erschien, wurde Robinson Crusoe für Generationen zum Inbegriff des Abenteurers. Die Geschichte des ganz auf sich gestellten Menschen, der sich in der Wildnis eine neue Existenz erschaffen muss, erwies sich als zeitlos die Phantasie beflügelndes Thema, wirft sie doch grundlegende Fragen nach dem Wesen des Menschen und der Zivilisation auf.

Seit Rousseau den Robinson Crusoe, vierzig Jahre nach dessen Erscheinen, als Lehr- und Lesebuch für die Jugend gepriesen hat, sind unzählige Bearbeitungen und Nachahmungen dieses Werkes erschienen. Sie alle schildern die Abenteuer des jungen Mannes, der der Geborgenheit des Elternhauses und einer bürgerlichen Laufbahn entflieht, um dann nahezu dreißig Jahre als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel nahe der Orinoko-Mündung zubringen zu müssen.

Doch erst in der originalen, ungekürzten Fassung wird das Anliegen sichtbar, das Daniel Defoe (1660–1731) wohl vor allem am Herzen lag: die Darstellung der inneren Wandlung Crusoes. Während sich in der Entwicklung des einsamen Insulaners vom Jäger zum Hirten und schließlich zum Ackerbauern der Gang der menschlichen Zivilisation im kleinen spiegelt, geht die wesentliche Veränderung in Crusoes Charakter vonstatten: Vom gedanken- und gottlosen Seefahrer wird er zum humanen Aufklärer, vom lebensbegierigen jungen Hitzkopf zum reifen, seiner Verantwortung bewussten Mann. Erst durch diese Dimension gewinnt der Roman, mit dem Defoe sechzigjährig zu Weltruhm gelangte, seine wahre Kraft.

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