Archiv der Kategorie: Magazin

Hier erscheint Vermischtes, Interessantes und Triviales.

from here

from here
we cannot see the harbor,
where a vendor – hoarse and reeking,
sings,
and whores – gray and foreign
drift, 
gossiping of fishy things,
along the creaking gangplank.

bottles bob, barrels roll
miles of mesh lie limp and waste
windless years –
on the creaking gangplank. 

in this vast paradise – 
horizonless and edgeless –
we are bunched up 
in the middle of our dinghy.
i raise my hand above your head 
at midday.

Like father…

In his whimsical autobiography, H.G. Wells – detailing his family’s history – claims that his father, while in service as a gardener, stood model for the sneaking youth in the painting The Maid and the Magpie by Sir Edwin Landseer.

„…a frequent visitor at Redleaf was Sir Edwin Landseer, the „animal painter,“ …who did those grave impassive lions at the base of the Nelson monument in Trafalgar Square. My father served as artist’s model on several occasions, and for many years he was to be seen in the National Gallery,… But afterwards the Landseers were all sent to the Tate Gallery at Millbank and there a sudden flood damaged or destroyed most of them and washed away that record of my father altogether.

this here

will the momentum of puberty’s paroxysms suffice to persist in the investigation? and truth and wisdom – arbitrary, spacious, elusive and implacable? is there consolation? how to endure the tears from the stinging light, the tears of epiphany…the bliss of grasping, even for a moment, a meaning, or an idea, but not consciously, but with the soul and mind and senses.

truth demanded many lives, of men worthier than i. and with my social suicide I join them, if only thus – still meek and doubting, fearful and selfish, still glancing back nostalgically, at the other life – so snug, so peaceful. and so false.

that there

mystery. magic. puzzles – riddles. secrets. arcane or prosaic. like the horizon: blue-sky, taunting and intimidating. the unknown. the unknowable, yet explained and evident. although I understand, I nonetheless acknowledge its deceitful existence – there it is, I see it and how, then, I ask increduously, can it be a concept, just an idea and not a thing – this, that I see. imperceptibly moving forward, like time – it too, just a figment.

or love. like horizon’s edge, endlessly stretched (like giacometti’s limb) between me and that life, the mirage is measured into existence, as a formula, or seized by a stanza: there – you point at it – there, can you not see it? can you not believe in it? and then, reason, with a slightly raised eyebrow, strokes my childish head with its pitiless palm and says: no, dear child, it is only an illusion.

Schicksal

Was? Ein Essay zum Thema Schicksal von mir? Warten wir’s ab!

Die nachfolgenden Überlegungen basieren auf einem Comic von Zach Weinersmith auf der Webseite Saturday Morning Breakfast Cereal [1], welches ich mit dem Begriff Schicksal in Verbindung gebracht habe. Vor der Verschriftlichung habe ich diese Überlegungen in privaten Diskussionen entwickelt.

Der Schicksalsbegriff ist gemäß Wikipedia [2] unterschiedlich belegt und reicht von einer (göttlichen) a-priori-Festlegung des menschlichen Werdegangs bis zur Vorstellung, dass der Mensch seine Zukunft selbst in der Hand habe.

Im Comic von Weinersmith wird postuliert, dass sich einem Menschen zu jedem Zeitpunkt unendlich viele Möglichkeiten eröffnen. Er vergleicht das Leben mit einem Weg, den man geht, und auf dem man mit jedem Schritt eine von unendlichen vielen Weggabelungen wählt. Das Verfließen der Zeit bestimmt die Geschwindigkeit der Wanderung, deren Richtung – nach vorne – man nicht beeinflussen kann [3].

Hierbei darf man nicht dem landläufigen Irrtum aufsitzen, dass unendlich viele Möglichkeiten mit allen Möglichkeiten gleichzusetzen seien [4]. Aufgrund einer früheren Entscheidung, einem Abzweig den Vorzug zu geben, sind unendlich viele Möglichkeiten weggefallen, die sich hinter den anderen Abzweigungen befanden. Während ein Vierjähriger noch ggf. die Wahl hat, Lokomotivführer oder Astronaut zu werden, hat der 50jährige Lokomotivführer nicht mehr die Möglichkeit, Astronaut zu werden. Wer einmal den Weg von Frankfurt nach Berlin eingeschlagen hat, wird nicht mehr nach Paris reisen.

Unter Schicksal verstehe ich die Einschränkung der persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten in der Zukunft durch Entscheidungen in der Vergangenheit. Auf der Wanderung bestimmen die bereits genommenen Abzweigungen die noch möglichen Ziele, da auf dem Pfad eine Reise zurück nicht möglich ist.

Diese Definition ist wertneutral.

Ob das Schicksal günstig oder ungünstig ist, hängt dabei dann wesentlich davon ab, ob man in der Vergangenheit aus persönlicher Sicht rückbeschauend richtig oder falsch abgebogen ist. Ich will hier jedoch keinesfalls einer fatalistischen Einstellung das Wort reden: auch in einer insgesamt eher ungünstigen Lage gibt es zumeist in den unendlich vielen Möglichkeiten immer auch Pfade zu einem positiven Ziel im eigenen Wertesystem. Wer in der Jugend einen Weg gewählt hat, der ihn unglücklich gemacht hat, hat ein weniger günstiges Schicksal, aber kommendes Glück ist ihm dadurch nicht verwehrt, wenn er künftig die richtigen Abzweigungen wählt.

Man mag nun vollkommen zu Recht einwenden, dass man ja nicht alle, noch nicht einmal die meisten Entscheidungen bewusst oder selbst trifft. Im Laufe der Zeit ergeben sich die Wege oft zufällig oder man wird wider Willen in eine Abzweigung geschubst. Gerade diese Betrachtung unterstützt aber den gewählten Schicksalsbegriff nur, da sie den Aspekt der Willkür und den beschränkten eigenen Einfluss auf den eigenen Werdegang untermauert. In wie weit also das eigene Schicksal unveränderlich ist oder sich durch einen selbst beeinflussen lässt, ist somit eine Frage der Wahlmöglichkeiten bzw. der Anstrengungen, die man in die Auswahl der Pfade setzt. Häufig lässt sich das erst beim Blick in den Rückspiegel beurteilen. „Ach hätte ich nur….!“

Beginnt das Schicksal mit der Geburt? Nein! Jeder von uns ist der gegenwärtige Endpunkt einer seit Jahrmilliarden andauernden Entwicklung. Unser Schicksal ist bestimmt durch das unserer Eltern, deren Pfad wir weiter beschreiten. Und durch die Pfade unserer Großeltern und aller unserer Vorfahren. Wir sind Menschen nur, weil sich das Leben auf der Erde seit Entstehung der ersten DNS auf einem bestimmten Pfad entwickelt hat, weil das Universum seit dem Anbeginn eine Entwicklung genommen hat.

Begreift man Schicksal rückwärtsgerichtet als die Einschränkung der Zukunft durch vergangene Ereignisse, ist es für das eigene Handeln lediglich in soweit relevant, als dass es die unveränderlichen Rahmenbedingungen festlegt, innerhalb derer der Mensch die Freiheit hat, aus unendlich vielen Möglichkeiten zu wählen und die Chancen zu nutzen, den Weg in seine bestmögliche Zukunft zu wählen.


[1] https://www.smbc-comics.com/comic/potential-2

[2] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schicksal

[3] Als Freund der Many-Worlds-Interpretation der Quantenmechanik ist mir diese Betrachtung besonders sympathisch, siehe z.B. https://plato.stanford.edu/entries/qm-manyworlds/

[4] Die Geschichte von Hilberts Hotel hilft zu verstehen, dass eine echte Teilmenge einer unendlichen Menge unendlich groß sein kann. Von den zahlreichen Nacherzählungen im WWW scheint mir diese am bekömmlichsten: https://www.sapereaudepls.de/sonstiges/unendlichkeit/hilberts-hotel/

Ende einer Busfahrt

Franz fuhr im bequemen Bus durch die ihm neue und fremde Stadt. Schon bald nach seiner Ankunft war ihm klar geworden, dass diese Stadt höchsten Wert auf Sauberkeit und Ordnung legte. Und würde ihm der Ruf danach nicht aus den zahlreichen Plakaten und Avisen ins Gesicht schreien, so hätte er es spätestens beim Schlange stehen vor dem Einstieg und beim Anblick des propren Busfahrers und der sauberen Böden und Sitzpolster bemerkt.

Kein Ruckeln und Holpern sondern eine geschmeidige aber lange Fahrt, wie er sie noch nie erlebt hatte. Es blieb ihm viel Zeit, die Menschen um sich herum zu beobachten, ihnen heimlich in ihre verschlossenen Gesichter zu schauen, und ihre Manieren zu studieren, so man denn den Ausdruck ihrer Unbeteiligtheit und Uniformität als Manieren bezeichnen konnte.

Nach einigen Stationen stieg in großer Langsamkeit und Mühe eine alte und gebrechlich wirkende Frau zu und nahm gegenüber Franz Platz. Sicherlich hatte sich Franz in irgendeiner Weise als Fremder zu erkennen gegeben. Jedenfalls entdeckte er bald für einen Augenblick ein Funkeln in den Augen der Alten, das ihn merkwürdig berührte.

Schon näherte sich die nächste Haltestelle, deren Namen die wohlklingende Stimme der automatischen Ansage klar und deutlich aufsagte. Die alte Frau schien sich aufrichten zu wollen und ihre Hand bewegte sich leicht in Richtung des blutroten Knopfes, mit dem die Fahrgäste dem Busfahrer einen Haltewunsch übermitteln konnten. Dabei sandte sie einen flehenden Blick zu Franz, der dies als Aufforderung verstand und den Knopf betätigte. Da wich die Anspannung aus seinem Gegenüber und ein zufriedener Ausdruck brach in ihre Mimik ein.

Der Bus hielt sodann an der Haltestelle und die Türen öffneten sich. Doch niemand und auch nicht die Frau stiegen aus. Quälend verstrich die Zeit, in der nichts geschah. Dann kam der Busfahrer den Mittelgang entlang und fragte, wer den Knopf betätigt habe. Franz überkam es heiß und kalt und er schrumpfte auf seinem Sitz zusammen wie ein ertappter Sünder. Die Alte aber deutete mit ihrem knochigen Finger auf den Fremden und sah erst triumphierend zum Busfahrer und dann zu Franz. Rasch waren indes zwei Ordnungshüter in den Bus gestiegen und führten Franz ab.

Rachel

Still zog die Landschaft an Bodo vorüber, während er in dem komfortablen Erste-Klasse-Sessel des Reichsbahnwagens saß. Freitag, Rückkehr von einer seiner Dienstreisen, die den Ingenieur immer wieder nach München führten. Seine Reiseschreibmaschine hatte er zur Seite gestellt. Er wusste, dass er heute im Zug nicht arbeiten können würde. Seine Hand glitt in seine Lederaktentasche und beförderte ihren Brief hervor, den ihm der Page vor dem Verlassen des Hotels ausgehändigt hatte. „Lieber Bodo“ stand darin in ihrer stilvollen Handschrift. Rachel bedankte sich darin artig für den gemeinsam verbrachten Donnerstagabend und brachte ihren Wunsch nach einem Wiedersehen zum Ausdruck. Ein weiteres Mal griff er in die Aktentasche und beförderte ein Foto von ihr hervor, welches er mit Wehmut betrachtete.

Bodo wusste, dass es nicht weitergehen konnte. In der Nacht hatte er der den Entschluss gefasst, es zu beenden. Seine Gedanken gingen zurück zum Donnerstagabend.

Bodo und Rachel hatten eine Vernissage besucht. Der Ingenieur und die Künstlerin. Sie hatten sich blendend unterhalten, in perfekter Resonanz. Sie standen noch eine Weile auf der Straße in der Dunkelheit, auf die Droschke wartend, die Rachel fortbringen würde. Er sah ihr in die glänzenden Augen, als sie davon erzählte, wie sehr sie mit ihrer Arbeit eins sei, und dass sie dabei keine Kompromisse mache. Er antworte ihr, dass ihrer beider Zweisamkeit ein einziger Kompromiss sei. Bodo wollte nicht nur in den Dialogen eins mir ihr sein. Er wollte sie auch körperlich fühlen. Er hatte das eine oder andere Mal den Arm um sie gelegt, doch da war nichts. Er wollte sie spüren, sie an sich drücken, ihre Brüste gegen seine Brust, seine Hand in ihrem Haar und ihrem Hintern, ihre Zunge in seinem Mund. Doch er wusste, dass in dem Moment, in dem er es versuchte, die Illusion, der er sich hingab, vorüber sein würde. Und so zögerte er diesem Moment in die Ewigkeit hinaus. Doch die innere Zerrissenheit war ihm unerträglich geworden.

Bodo nahm den Visor ab, streifte die VR-Handschuhe ab, stöpselte das Virtual-Reality-Kit aus dem Deck und versmannequintaute es in der Tasche. Der Hyperloop nach Frankurt raste mit annähernd Schallgeschwindigkeit dahin. Auf die Innenwände war eine Landschaft projiziert, die den Fahrgästen das Gefühl der Enge nahm. Er zog nun doch sein Deck heran, klappte es auf, loggte sich ein, legitimierte sich als KI-Ingenieur. Er öffnete den KI-Designer und navigierte zum Personality-Editor. In der Konsole gab er „delete from personalities where name=’Rachel‘;“ ein. Einen Moment schwebte seine Hand über der Eingabetaste, zögerte, dann sank sie hinab, schloss den Tastenkontakt, schickte er den Befehl ab. Die Leere brach sich Raum im ihm.

Seine Büroarbeit am Montag begann mit der Bearbeitung der E-Mails. Eine Nachricht von seinem Boss, der ihm für die hervorragende Arbeit gratulierte. Die anderen KI-Ingenieure seien von der neuen Personality begeistert. Nerds eben. Er habe daher entschieden, Rachel als Collaborator in das KI-Entwicklungsteam zu integrieren. Das sei der effektivste User Acceptance Test einer KI, den man sich vorstellen könne. Bodo erstarrte, der Fluss seiner Gedanken, verlangsamte, fror ein. Wie durch ein zähes Gel navigierte er zum Backup-Repository. Die letzte Synchronisation des Repository auf seinem Deck mit dem Backup-Repository hatte am vorigen Freitag um 3 Uhr morgens stattgefunden.

Eine neue E-Mail traf ein. Von Rachel. „Lieber Bodo“ stand darin…

ave maria bw

Die Stadt – eine wahre Geschichte

Freitag, 16:15, Frankfurt/Main, die Zeil, letzter Sommer

Es mag der frühen Uhrzeit geschuldet sein, zu der noch ein Großteil der arbeitenden  Bevölkerung an ihren Arbeitsplätzen weilt, daß ein überproportionaler Anteil von Vertretern des Prekariats die Zeil bevölkert. Ich gehe von der Hauptwache aus Richtung Konstablerwache. Vor mir läuft sommerlich bekleidet eine Blondine, ihr Spaghetti-Top verhüllt kaum ihren lila BH. Von ihrem Nacken an abwärts hat sie das Ave Maria auf den Rücken tätowiert: „Heilige Maria Mutter Gottes voll der Gnade…“ kannst Du beten, während Du sie von hinten *****.

18.10.2011

Der Gang

Er öffnete die Türe und trat in den Raum hinein und hinter ihm fiel die Türe mit einem leisen Klicken wieder ins Schloß. Er fuhr herum und drückte die Klinke herunter, aber die Türe öffnete sich nicht mehr. Er wandte sich wieder zum Raum, der eher einem Korridor glich: lang und schmal, der Boden weiß gefliest, die kahlen Wände weiß gestrichen, an der Decke eine weiße Leuchtstofflampe. Sein Blick wanderte von der Eingangstür den Gang entlang zu der Ausgangstür auf der anderen Seite und dann wieder zurück an dem rohen Tisch vorbei, der sich inmitten des Raumes befand, zur Eingangstüre. Er drückte die Klinke erneut herunter, aber die Türe öffnete sich nicht. Er schritt den Gang ab, an dem rohen Tisch vorbei, darauf ein Teller mit dampfender Suppe und ein Löffel, davor ein roher Stuhl. Er gelangte zur gegenüberliegenden Türe und drückte die Klinke herunter, aber die Türe öffnete sich nicht. Er begann heftiger an der Klinke zu rütteln und mit den Fäusten an die Türe zu hämmern und zu schreien, aber kein Laut erfüllte den Raum, nur Stille. Keine Schritte hallten durch die beinahe vollständige Leere, als er zur Eingangstüre zurückging und dort mit Brüllen und Hämmern die Türe bearbeitete. Wieder kein Laut zu hören. Seine eigene Stimme nicht. Sein eigenes Pochen nicht. Den Gang hinauf, den Gang hinab. Die Wände untersucht: glatt und weiß und still, keine Ritze, kein Durchlaß, kein Ausgang. Hinauf, hinab, stilles Gebrüll, lautloses Pochen, Tür, Gang, Tisch, Gang, Tür, Wand. Resignation. Tisch. Er setzte sich auf den Stuhl vor das Tischchen hin und sein Kopf sank in seine Hände, die Arme bargen sein Gesicht. Stille. Er blickte wieder auf, ergriff wie in Trance den Löffel und begann die bereits kalt gewordene Suppe zu löffeln. Schluck für Schluck für Schluck. Löffel für Löffel für Löffel. Als der letzte Schluck kalte Suppe seine Kehle heruntergelaufen war, hörte er von der gegenüberliegenden Tür ein leises Klicken. Er stand auf, ging zur Türe, drückte die Klinke herunter, öffnete die Türe und trat aus dem Raum hinaus und hinter ihm fiel die Türe mit einem leisen Klicken wieder in Schloß. Vor seinen Augen lag ein Gang, der dem, den er gerade verlassen hatte, bis aufs Detail glich. Er erspähte einen Tisch mit einem Teller. Ein Grinsen befiel sein Gesicht. Er ging zum Teller, um ihn auszulöffeln. Aber der Teller war leer.

29.01.1996