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Diana und Actaeón

Diana und Actaeon

Actaeón ist noch am Leben in dieser Variante von Pietro Liberi, gemalt um 1660, jedoch bereits in ein Hirsch verwandelt (ganz rechts im Anschnitt).  Ein Gefühl eleganter Hektik ist spürbar durch die besorgten Gesichter der Nymphen und die Gesten des Entsetzens – etwas unbeholfen beeilen sie sich, die Nackheit der keuschen Göttin zu verhüllen.

Die einzigen hell erleuchteten, im Bild Vordergrund positionierten Figuren, die durch die nervöse Aufregung in einander verschraubt zu sein scheinen, wecken den Eindruck, als wären die Beiden eigentlich nur Diana, die  – wie in einer Bewegungsabfolge – zunächst saß, dem Betrachter und dem Teich zugewand,  und sich wusch. Dann, nach dem Hereinplatzen des Jägers, aufstand und – schamhaft – sich dem Betrachter abwand und nicht so schamhaft sich dem Jäger frontal stellte). Die mit dem Rücken zum Betrachter stehende Diana schaut über die Schulter (vom Jäger abgewandt, die Hand womöglich vors Gesicht haltend) und ihr Gesichtsausdruck scheint uns mitzuteilen: Tja. Sie ist nicht verängert, lediglich etwas missvergnügt.

Was ist aber mit dem Aufpasswauwau? Seine Pfoten ruhen schützend am Schenkel einer Nymphe und er schaut den Betrachter so angestrengt-bissig an, wie er nur kann (man hört fast das Knurren), sein Partner widmet sich ganz dem Hirschen. Hat er den Jäger nicht gewittert und sein Herannahen durch vehementes Kläffen nicht verkündet? Hat Liberi sagen wollen: die Götter spielen nur mit uns und die ganze Überraschung nur inszeniert war? Im Buch »The Wrath of Athena« spricht Jenny Strauss Clay über eidenai die göttliche Sehfähigkeit, die den Sterblichen weit überlegen ist. Sie schreibt »… When dealing with mortals, the gods generally disguise themselves or choose to remain inviisible. Men may not recongnize a divinty unless the latter is willing.«, und zitiert eine Stelle in der Illias, als Athena Diomedes belehrt: „I have taken from your eyes the mist which before was upon them, so that you may well recognize god and man.“ So weit Homer. Vielerorts erscheint Athena dem Odysseus, weil sie es will. Mancherorts ist dieser Willen für den Menschen sichtbar zu sein sehr deutlich klargemacht, denn, im Fall von Athena und ihrem Schützling Odysseus, zeigt sie sich nur ihm, die anderen können sie nicht  wahrnehmen.

Bereits in Corregios Interpretation von Ios Verführung durch Jupiter hat man sich gefragt, weshalb sie sich der Bekleidung entledigte und sich den Berührungen Jupiters entzückt hingab? Hat sie ihn etwa erwartet und gar nicht mit Gewalt verführt wurde? Ganz und gar bewusst, wie vielleicht auch hier Diana?

Das Bild, wie auch bei Corregio, ist akut voyeuristisch. Wir betrachten die Szene, als säßen wir versteckt hinter einem Busch oder einem Stein am Teichufer. Der Hund, also, hat uns bereits bemerkt und vielleicht, ereilt uns die gleiche Schicksal wie die des Actaeóns?

Bild: Pietro Liberi, 1660

Juno rächt sich

Immernoch die Geschichte von Ios Verführung durch Jupiter.
Im weiteren Verlauf der Ereignisse, entwickelt sich, wie ich meine, ein Kalter Krieg zwischen Zeus und Hera (Jupiter und Juno), die leidenden sind Io, ihr Vater und natürlich Argus, der dran glauben musste.
Die tragische Szene des Endes Argus‘ stellt hier Peter Paul Rubens sehr morbide dar. (Juno hält einige seine Augen noch in der Hand, während ihre Begleitung ihm aus dem abgetrennten Kopf in ihrem Schoß, die Augen heraupult, als wären sie Perlen oder Edelsteine. Sein kopfloser Körper scheint in Agonie noch zu winden. Alles sehr makaber…Obwohl, nicht ohne Erotik, auch durch die interessant platzierte Hand Junos, die die entblösste Brust des Mädchens zu streicheln oder sie zu wiegen scheint.

Freitag, 23. Oktober 2015

Kakistokratie

Als Gegenstück hierzu schlägt die sehr praktische Zusammenstellung „aller“ Herrschaftsformen die Aristokratie – im engsten Sinne des Begriffs – vor.  

Aber nach welchem moralischen und ethischen Maßstab urteilt man?  Ist es möglich ein guter und zugleich tugendhafter Herrscher/Politiker zu sein? Nach dem Motto „You can’t make everybody happy all of the time“ – denn, es wird stets welche geben , die sich benachteiligt fühlen und unzufrieden sind. 

Ist die Tugendhaftigkeit eine unerschütterliche, unbeugsame charakterliche Basis, die sich von Macht nicht verführen lässt? Und ist nicht das Wohlwollen auch oftmals tückisch, also ebenfalls ein Richtwert für Entscheidnungen, der eine sorgfälltige Abwägung bedarf? 

Die Realität zeigt: die Wahl ist meistens zwischen blöd (weder weise noch intelligent) und böse (nach allgemeinem Verständnis des ethischen und moralischen Wertecodex); ab und an gibt es auch die abartigen Mischformen: der wohlwollende Depp, sowie, die weitaus harmlosere Variante, der gemeine Trottel.

Dienstag, 8. September 2015

Asymmetriphobie

Vermutlich fällt unter dieser Kategorie auch das neurotische Geraderücken von schiefhängenden Bildern an senkrechten Flächen.
Überhaupt bietet Geometrie eine ganze Reihe von Konzepten, die sich hervorragend für das neurotisch Zwanghafte instrumentalisieren lassen: der rechte Winkel, zum Beispiel  (das Arrangieren von Sachen auf waagerechten Oberflächen).

Hängt die Symmetrie, im Umkehrschluß, mit Gerechtigkeit zusammen?