Archiv der Kategorie: Gelesen und besprochen

Wissen und Nichtwissen

Betritt man zum ersten Mal eine Wohnung, saust der hektische Blick umher auf der Suche nach der häuslichen Bibliothek. Die grausam voreilige Bewertung hängt nicht nur von der Anzahl der Regale ab: wenn vorhanden und mit Büchern gefüllt (Periodika, Kristallgegenstände, Langspielplatten,  Schuhe, DVD’s oder CD’s u. ä. sind kein Ersatz), streift der forschende Blick über den Inhalt, da das Ordnungsprinzip dessen nicht minder entscheidend ist – sind die Bücher nach Farbe, Größe, Themen oder gar LLC sortiert?

Während des Treffens zur Besprechung von Die Fackel im Ohr, inspiriert vom Vezas Memorieren vom The Raven von E. A. Poe, entstand der Gedanke nachzuforschen – frei nach Bradbury –  welche Lektüre eine jede Damsel für das Auswendiglernen wählen würde.

Nach welchen Kriterien wählt man nun das Buch? Länge, Unterhaltungsfaktor, persönliche Vorliebe oder kultureller Stellenwert?

It was a dark and stormy night.

Es ist allgemein bekannt, dass ein Buch nach dessen Umschlag beurteilt wird. Er ist es, der den zukünftigen Leser zum Kauf verlocken will. Doch wenn man das Vakat, die Widmung und den Schmutztitel überwunden hat und  – das Buch bereits  in den Händen – durch das buchbinderische Dickicht zum Inneren durchgedrungen ist, in der Intimität des ersten Satzes erst, wird man des Buches Wesen gewahr.

Es gibt legendäre Anfänge, die sich im Gedächtnis einnisten, ohne dass man jemals die dazugehörige Lektüre begegnet ist (oder sie gelesen haben zu wollen). „riverrun, past Eve and Adam’s, from swerve of shore to bend of bay, brings us by a commodius vicus of recirculation back to Howth Castle and Environs.“ ist ein solcher.

Mit dem Spiel wollten wir aber herausfinden, wie haftfähig die ersten Sätzen der bereits von uns genossenen Lektüren sind oder  – was übrig bleibt, nach dem die Bücher ins Regal gestellt, vom Kindle gelöscht, ins Treppenhaus gelegt, an Buchbörsen umgetauscht sind. Aber auch: Wie aussagekräftig sind sie? Erkennen wir sie wieder?

Bei unserem vorweihnachtlichen Treffen wurden 34 Anfangssätze auf den Prüfstand gestellt – mit überraschenden Ergebnissen. Beim Grölen und Grübeln, der Geruch vom Korken in der Nase, erfuhren wir einiges über das Ge- und Überlesene.

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Erster Podcast auf „Radio Passenger“

Noch ist es ein Geheimtipp, doch in kürze wird der Podcast-Sender auf allen IPhones und etwaigen Multimediageräten gehört, gespielt und diskutiert.

Der Frankfurter Buchmesse im Oktober folgt München mit einer 18-tägigen Vorles- und Debattier-Extravaganza, dem Literaturfest im November. Zur Veredelung des Kulturprogramms der Landeshauptstadt wählte daher der Hipster-Sender für seine Jungfernsendung die Damsel der ersten Stunde – Damselá – als Interviewpartnerin und Vorleserin aus. Dieser Jahreszeit entsprechend liesst Damselá aus Ali Shaws Märchen Das Mädchen mit den gläsernen Füßen, ein „modernes Märchen“ – so Damselá – worin ein Fabelwesen mit einem Blick alles in weiß und ein wundersamer Infekt den menschlichen Körper in Glas verwandelt. Ein malerischer Vorgeschmack auf die nahenden Wintermonate.

Viel Spaß beim hören.