Ein krummes Datum – 2

Es heisst, Zahlen wohnt eine magische Kraft inne. Drei, fünf, acht, dreizehn – um nur vier, die spontan einfallen, zu nennen.

Wie steht es mit der Zahl Vier?
»…Die Zahl 4 steht für Handlungen und Taten und verkörpert das Machen…«  heisst es hier.
Eine weitere Seite, die sich mit der Pseudowissenschaft der Zahlen beschäftigt, spricht von den vier Jahreszeiten, vier Elementen, sowie den vier Himmelsrichtungen. Das Quadrat soll auch nicht unerwähnt bleiben.  Die psychologische Numerologie rät zu folgender Affirmation an, sofern diese Zahl einen Menschen betrifft: »Ich bin am richtigen Platz. Ich bin hier und jetzt.«

Beim Buch der Bücher legten dessen Autoren großen Wert auf Mystik: um die Magie der Zahlen kamen sie beim verfassen nicht herum : Dreifaltigkeit, Sieben Siegel, 40 Tage Fastenzeit…

Wegen der Dramatik und Endgültigkeit, faszinieren die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes, ganz besonders. Die Boten der nahenden Weltfinale wussten ob des spektakulären Auftrittes, der, jedoch, vage genug gehalten wurde, um die Deutungsfreude zu begünstigen.

Unser vierjähriges Jubiläumfünfjähriges Bestehen feiern wir
am Donnerstag, den 18. September, 2014
20:00 Uhr
wo: Literaturhaus München
Lyrik Kabinett

Abschlussveranstaltung in der Brasserie »OskarMaria«. TBA

Nachtrag
Die Zeit vergeht bekanntlich viel zu schnell. Somit wird das bereits fünfjährige Geburtstag heuer gefeiert.

Bild: Albrecht Dürer
1497-98
Woodcut, 399 x 286 mm
Kupferstichkabinett, Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe

Ein krummes Datum

Im September wird es fünf Jahre sein, seit die Debate startete. Zur Besprechung von Unrast im Herbst 2009, erschienen drei Damsels und diskutierten über Nieren in Formaldehyd und Spinoza. Manch ein Abend wird seit dem stets in Erinnerung bleiben, wie der Mo-Yan-Freitag oder der Karl-May-Abend, an dem fast ausschliesslich über Sex diskutiert wurde. Aber auch die Besprechung von Angerichtet mit Konferenzschaltung per Skype sowie die Karte von Paris, die das halbe Zimmer einnahm und das tischgroße Organigramm der handelnden Personen des Romans Andere Räume, andere Träume.

In dieser unserer Jubiläumswoche bietet München ein überschaubares Sortiment an kulturellen Veranstaltungen.
wann: 33. KW
wo: TBA
r.s.v.p. bis spätestens 5. September 2014

Bild: toulouse-lautrec-foundation.org

Was wir nicht lesen

Den Roman, den dieser Rezensent nach  „…  750 Seiten am liebsten sofort von vorn beginnen würde.…“ lesen wir nicht. Den Roman, dessen Kritiken sich lediglich mit der Übersetzung beschäftigen, da das Werk über jeder Kritik erhaben zu sein scheint, war UNS zu üppig, obschon es als unsere nächste Lektüre von Schicksal auserkoren war.
Nein.

Stattdessen lesen wir bis zum Freitag, den 29. August, 2014, Frau Marons Zwischenspiel.

Zeichnung von Ludwig Pietsch, 1865.

Die letzten 100 Seiten

Während meiner Mühsal, rechtzeitig mit dem Buch fertig zu werden, muss ich stets Hürden und Hindernisse überwinden.

So auch heute. Inmitten Zweigs ekstatischen Äusserungen zu Sowjetrussland stolperte ich über ein Wort, dessen helles Läuten nicht nachlassen wollte und mich letztendlich zu Recherche zwang. Erfreulicherweise führte mich die Suche zu Zweigs Rezensionen, die  – gottlob – vollständig online zur Verfügung stehen.

Das Wort: oblomovsche

Für diejenigen, die noch etwas Neugierde und Zeit fürs Sekundäres übrig haben, hier findet man das komplette Werk.

Bild: © Walt Louderback

»rigide Stadtplanung«, Teil 3

Für diejenigen, die Wien kennen, ist »Moloch« gewiss das letzte, was zu dieser Stadt einfällt: Mumbai, Kairo – ja. Aber Wien?

Und doch titelt die Süddeutsche Zeitung, »Ameisenhaufen mit Rohrpost: In Wien zeigt eine Ausstellung, wie sich die Stadt im 19. Jahrhundert fast zu einem Moloch entwickelte«. Das Schicksal der Verstädterung teilten im 19. Jahrhundert die meisten Europäischen Städte, allen voran London des Viktorianischen Zeitalters, Schauplatz unzähliger Werke Dickens‘. Diese seine Schilderung einer Stadt, die in der tat zum Moloch wuchs, machen es umso unmöglicher, sich Wien im ähnlichen industriellen Miasma vorzustellen. Gedanken an Wien des 19. Jahrhunderts rufen eher archetypische Bilder des Belle Époque hervor: aktuell noch verstärkt, durch die stark romantisierten Erinnerungen Zweigs in »Die Welt von Gestern«.

Experiment Metropole –
1873: Wien und die Weltausstellung
Ausstellungsdauer:
15. Mai bis 28. September 2014

Bild ©

Freitag, 20. Juni 2014

Defaitist

»So wurde es nur natürlich für mich, die eigene, die tragische Situation des ›Defaitisten‹ – dieses Wort hatte man erfunden, um jenen, die sich um Verständigung bemühten, den Willen zur Niederlage zu unterschieben – in dramatischer Form zu schildern.«
Stefan Zweig, Die Welt von Gestern

Laut Wikipedia entstand der Ausdruck »…während des Ersten Weltkrieges in Frankreich und bezeichnete den Vorwurf des systematischen Nährens von Mutlosigkeit, Resignation und Zweifel am militärischen Sieg in den eigenen Reihen. Als Mittel der gegnerischen psychologischen Kriegführung verdächtigt, wurde solches Verhalten von Militärtribunalen sanktioniert.«

Andere Quellen wiederum, schreiben die Entstehung des Ausdrucks einem russischen Publizisten zu.

Auch hier Interessantes zum Wortgebrauch

Unser Abend mit Pong

Pong von Sibylle Lewitscharoff: das Buch und die Hauptfigur
Die Fragen:
Ist der große Ratsch nur ein Synonym für die Feder auf dem Papier, kommt Pong durch das Kratzen der Feder auf dem Papier in die Welt?
Ist Evamarie Urmutter und Mutter Gottes in einer Person?
Ist Pong Gott?
Die Aussagen:
Ja, Pong ist Gott – er schafft eine neue, beschleunigte Schöpfung.
Nein, Pong ist auf keinen Fall Gott – denn wenn er Gott wäre, woher kämen die Befehle, die er „von oben“ empfängt?
Kinder werden wie Haustiere behandelt, das ist abstoßend
Fortpflanzung ist technisch, das Beziehungsmodell reaktionär
Eine göttliche Schöpfung, die sehr düster ist.
Die Frau hat kein Herz
Die Zusammenfassungen:
Pong ist lyrisch, der theoretische Unterbau hat gestimmt – aber Pong transportiert nichts, löst nicht mal ein Gefühl „Gefallen“ oder „Nicht Gefallen“ aus, ist nicht emotional, nicht ärgerlich, ist lediglich eine Bühne für die Gabe der Autorin
Pong ist überflüssig
Pong ist gut geschrieben mit gegensätzlichen Bildern, es lohnt sich, das Buch gelesen zu haben.
Pong ist
  • krass, genial, vermessen, widerwärtig, geschrieben wie von einem Mann
  • erkennbar psychotisch
  • zu kopflastig, zu abstrakt, zu technisch
  • nicht zwingend ein Mann